Linearperspektive (*)
Material für den Kunstunterricht
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Die Linearperspektive wird hier in vier Schritten geklärt:
- Der Eindruck von Räumlichkeit
- Die Perspektive beim Blick geradeaus, die Dinge stehen unverkantet (frontal) vor mir: ein Fluchtpunkt
- Die Perspektive beim Blick geradeaus, die Dinge stehen schräg vor mir: zwei Fluchtpunkte
- Die Perspektive beim Blick von oben: drei Fluchtpunkte
- kurz: Schatten
4. Schatten (kurz)
Hier geht es um perspektivischen Schatten, den das Sonnenlicht (= parallele Strahlen) auf einer Ebene wirft. Die parallelen Sonnenstrahlen werden in der perspektivischen Darstellung zu einem Strahlenbündel mit dem Fluchtpunkt S (das "Bild" der Sonne). Diese Sonnenstrahlen werfen einen Schatten auf die "Erde", hier: auf die Grundebene. Senkrecht unter der "Sonne" befindet sich auf dem Horizont der Fluchtpunkt S' der nach "hinten" laufenden Schattenlinien.
Das war's eigentlich schon. Nun die Konstruktion:
4.1 Die Sonne steht vor dem Betrachter am Himmel
- Horizont ho festlegen. Gegenstand zeichnen (hier Quader mit den sichtbaren Ecken A B C D E F G und den Fluchtpunkten F1 (außerhalb des Bildes) und F2.
- Bild S der Sonne festlegen, evtl. auch außerhalb des Bildes.
- Lot vom Bild der Sonne auf den Horizont ergibt S'.
- Strahlen von S (von der "Sonne") zu den oberen Eckpunkten A B F des Quaders; zu G ist hier kein Strahl nötig, weil er die Ebene sowieso nur im Schatten oder im Quader treffen würde. Auf diesen Strahlen von der "Sonne" zu den oberen Eckpunkten müssen sich die Grenzen der Schattens wiederfinden!
- Strahlen vom Horizontpunkt S' zu den unteren Eckpunkten des Quaders (hier über C und E, die anderen Strahlen fallen in den Schatten bzw. in den Quader). Auf diesen Strahlen vom Horizontpunkt S' der "Sonne" müssen sich ebenfalls die Grenzen des Schattens wiederfinden!
- Kreuzung der Strahlen von der "Sonne" mit denen vom Horizontpunkt S' markieren (= A'/C', B'/D' und F'/E') und zum Schattenfeld mit den unteren Kanten des Quaders an den sichtbaren Seiten (hier C D E) verbinden.
4.2 Die Sonne steht halbrechts im Rücken des Betrachters
- Horizont ho festlegen. Gegenstand zeichnen (hier Quader mit den sichtbaren Ecken A B C D E F G und den Fluchtpunkten F1 (außerhalb des Bildes) und F2.
- Die Sonne steht hier nicht "unter" dem Horizont, sondern hinter dem Betrachter! In diesem Sinne Bild S der Sonne festlegen, evtl. auch außerhalb des Bildes.
- Lot vom Bild der Sonne auf den Horizont ergibt S'.
- Strahlen von S (von der "Sonne") zu den oberen Eckpunkten B F G des Quaders; zu A ist hier kein Strahl nötig, weil er die Ebene sowieso nur im Schatten oder im Quader treffen würde. Auf diesen Strahlen von der "Sonne" zu den oberen Eckpunkten müssen sich die Grenzen der Schattens wiederfinden!
- Strahlen vom Horizontpunkt S' zu den unteren Eckpunkten des Quaders (hier zu C und D, die anderen Strahlen fallen in den Schatten bzw. in den Quader). Auf diesen Strahlen vom Horizontpunkt S' der "Sonne" müssen sich ebenfalls die Grenzen des Schattens wiederfinden!
- Kreuzung der Strahlen von der "Sonne" mit denen vom Horizontpunkt S' markieren (= B'/D' und F'/E'). Wie verläuft der Schatten vom Punkt F'/E' nach links? Zum einen ist diese Schattengrenze in der dreidimensionalen Welt parallel zur Kante GF, hat also mit ihr den gemeinsamen Fluchtpunkt F1*); zum anderen kann man die verdeckte untere linke Ecke H des Würfels zeichnen, von ihr verläuft eine Schattengrenze nach S' und Strahlen fallen von der "Sonne" auf G, an der Kreuzung beider Strahlen liegt der jetzt vom Quader verdeckte Punkt G'/H'.
*) Genauso ist übrigens die Kante BF in der dreidimensionalen Welt parallel zur Schattengrenze B'/D' bis F'/E' - also haben beide in der perspektivischen Darstellung den gemensamen Fluchtpunkt F2.
© Michael Kraus, 2000 bis 2010
Diese Darstellung folgt
in den Kapiteln 1 bis 3 Willi Bärtschi: Linearperspektive I, Ravensburg 1979, 2. Auflage.
Das Buch hat mir Kollegin KNC freundlicherweise ausgeliehen; danke.
Das Kapitel 4 (Schatten) lehnt sich an Rudolf Schmidt, Perspektive Schritt für Schritt, Augsburg 1995, an.
Der gesamte Text ist in allen Teilen Eigenarbeit, die Graphiken auch, wenn nicht namentlich anders gekennzeichnet.