Grundkurs Wasserfarben
Material für meinen Kunstunterricht
Manche können ganz nett zeichnen, kommen vielleicht auch mit Filzstiften und Kreidestiften gut zurecht - und beim Umgang mit Pinsel und Wasserfarben hört dann alles auf. - Dem soll nun abgeholfen werden mit einem Grundkurs Wasserfarben und Umgang mit dem Pinsel. Hier geht es um Technik, nicht um Stil und Geschmack.
Lektion 1: Die Skizze
Skizzenzeichnung vorab immer nur sehr dünn, mit wenig Bleistiftdruck. Das Ideal besteht darin, dass man nach dem Malen die Bleistiftskizze gar nicht mehr (oder kaum) sieht.
Verschiedene Seiten (Flächen) eines Gegenstandes zeige ich nicht, indem ich am Schluss mit Schwarz die Kanten nachmale (als Bleistiftersatz), sondern durch unterschiedliche Farbtöne.
Übungen: Das blaue Haus (Schrägsicht), das rote Haus (in anderer Sicht).
Lektion 2: von Hell nach Dunkel
Mit Wasserfarben arbeitet man von Hell nach Dunkel, weil Wasserfarben nicht so decken wie Öl- oder Acrylfarben. Dunkler werden kann ich immer, heller werden kann ich mit Wasserfarben (fast) nie. Also fängt man hell an, mit viel Wasser und wenig Farben (absolut tabu ist dabei Deckweiß). Das sieht anfangs recht blass aus, noch nicht sehr spannend - aber da ist es ja auch noch nicht fertig!
In den nächsten Durchgängen bringe ich dann allmählich mehr Farbe auf einzelne Formen. Diese Malweise nennt man Lasiertechnik, lasieren, sie ist der Kern der Maltechnik mit Wasserfarben, daher hierzu noch einige Empfehlungen:
- Man benutzt zum Lasieren am besten Haarpinsel, keine Borstenpinsel.
- Typisch ist folgender Fehler: Die Fläche wird mit Wasserfarbe gefüllt, das Papier wellt sich, daher sammelt sich die Farbe in den Papiertälern und der Schüler streicht nun immer wieder neu mit Wasserfarbe übers Papier, um die Farbe zu verteilen; Folge: Das Papier wellt sich immer mehr... Tipp: Kurz und konzentriert arbeiten, mit einem Schwamm oder Papiertaschentuch die nassen Papiertäler trocken tupfen.
- Einen Schwamm oder ein Papiertaschentuch benutzen, an dem ich laufend den Pinsel abtupfe. Farbprobe durch einen Tupfer am Blattrand.
- Warum nicht das Papier drehen, wenn ich dadurch leichter an eine Kante der Form komme, die ich noch einmal genauer bearbeiten will?
Übungen: Das grüne Sofa mit zwei blauen Kissen (von wo sehe ich es, aus welcher Richtung kommt das Licht?); ebenso: der braune Sessel.
Hier ein Beispiel in drei Phasen: Der braune Sessel, gemalt mit einem 6er Haarpinsel und zum Farbverlauf mit klarem Wasser mit einem 4er Haarpinsel. Es wurde die Farben ockergelb, gebrannte Siena und Schwarz verwendet. Am Schluss habe ich die Bleistiftstriche ausradiert, soweit es ging.
Lektion 3: Welche Pinsel?
Die Antwort ist ganz einfach: Große Formen (Himmel, Wiese, Schrank...) = großer Pinsel, kleine Formen (Zweige, Augen…) = kleiner Pinsel.
Es wirkt sehr kindlich, wenn ich sämtliche Teile des Bildes nur mit einem breiten Borstenpinsel male.
Übung: Schlafende Katze in gemischten Farbtönen.
Lektion 4: Wie vermeide ich Farbränder?
Farbränder entstehen auf größeren Flächen, wenn ich z.B. links Farbe auftrage und dann rechts weitermale. Man muss also - mit großem Haarpinsel - die Farbe in gleicher Richtung (z.B. immer waagerecht) auftragen und immer darauf achten, dass man an den Stellen weitermalt, wo die Farbe jetzt antrocknen könnte. Leider ist es so, dass Farbe auf billigem = dünnem Papier schneller trocknet als auf dickem Aquarellkarton. Also muss man auf dem normalen Malpapier (100g/qm) recht flott arbeiten, dann Pause machen, dann wieder flott ran, dann wieder ein kreatives Päuschen usw...
Übrigens muss das Malziel nicht ein absolut gleichmäßiger Farbauftrag sein, siehe den grünen Hintergrund bei der "Rhabarberkatze". Ich kann eine Farbfläche auch bewusst etwas wolkig gestalten - aber dieser Farbauftrag sollte etwas mit dem Inhalt des Bildes zu tun haben und sich nicht einfach der Ungeschicklichkeit des Umgangs mit Farbe und Pinsel verdanken.
Übung: Abendhimmel über Wiesenhügel
Lektion 5: Pflege
Verschmutzte Farbnäpfe durch eine Drehung mit einem Papiertaschentuch säubern. Ein allgemeines Durchnässen des gesamten Farbkastens bringt eher keine Sauberkeit. Nasse Farbnäpfe im aufgeklappten Farbkasten trocknen lassen, sonst schimmeln oder versumpfen sie.
Wenn Haarpinsel eine halbe Stunde im Wasserbecher geparkt werden, dann verbiegen sie sich. Reparatur: Über Seife ziehen und die Spitze formen, dann stehend trocknen lassen.
Man malt immer auf dem Papier im Malblock (der Malblock hält das Papier rechts und links, nicht nur an 1 Seite). Dann wellt sich das Paper weniger. Das Bild soll auch im Malblock trocknen. Papier am Schluss so heraustrennen: Eine Hand hält das Papier flach, die andere Hand fährt mit einem dünnen Pinsel im spitzen Winkel unter die Perforation. Dann zerreißt nichts.
© Michael Kraus, Mai/Juni 2010